Ein Mann sitzt in einem Londoner Pub, nippt an einem Pint und zeichnet mit dem Finger die Kurve eines Langbogens in die Luft. Das ist Robert Hardy, der Mann, der später Cornelius Fudge sein wird – aber an diesem Abend in den 1970ern ist er vor allem eines: ein Besessener. Der britische Schauspieler, der am 29. Oktober 1925 in Cheltenham geboren wurde und am 3. August 2017 in London starb, war mehr als nur ein Gesicht auf der Leinwand. Er war ein Veteran, ein Gelehrter und ein Handwerker seiner Rollen.

Warum Robert Hardy in Deutschland und Großbritannien bis heute verehrt wird

Wenn Sie in Großbritannien nach Robert Hardy fragen, bekommen Sie zwei Antworten: „Der Tierarzt aus All Creatures Great and Small“ oder „Der Zaubereiminister“. In Deutschland ist es ähnlich. Die Serie Der Doktor und das liebe Vieh (so der deutsche Titel) lief jahrelang im Vorabendprogramm und machte Hardy als Siegfried Farnon zum Sympathieträger. Seine Mischung aus britischem Humor und herzlicher Strenge traf den Nerv eines Publikums, das nach der Wende nach heiler Welt hungerte.

Doch Hardys Relevanz geht über Nostalgie hinaus. Er spielte Winston Churchill so oft (laut Quellen mindestens fünfmal), dass er für viele Zuschauer zur Verkörperung des Kriegspremiers wurde. In der BBC-Produktion Churchill: The Hollywood Years? Nein, das war eine Parodie – aber seine ernsten Darstellungen in The Wilderness Years (1981) und War and Remembrance (1988) setzten Maßstäbe. Hardy selbst sagte einmal, Churchill sei „der schwierigste Part meines Lebens“ gewesen, weil er die Widersprüche des Mannes zeigen musste: den Dandy, den Krieger, den Melancholiker.

In Deutschland wurde Hardy vor allem durch die Harry Potter-Filme einem jungen Publikum bekannt. Cornelius Fudge, der gutmeinende, aber schwache Zaubereiminister, war eine Rolle, die Hardy mit genau der richtigen Portion Autorität und Hilflosigkeit füllte. Fans diskutieren bis heute, ob Fudge ein Bösewicht oder nur ein Feigling war – Hardys Spiel ließ beide Lesarten zu.

Wie Robert Hardy seine Rollen vorbereitete: Vom Langbogen zum Zauberstab

Hardy war kein Schauspieler, der einfach das Drehbuch las und auf die Bühne ging. Er recherchierte wie ein Historiker. Für seine Churchill-Rollen studierte er Originalreden, sah Wochenschauen und las Biografien. Aber seine ungewöhnlichste Vorbereitung galt einer Leidenschaft, die nichts mit Schauspiel zu tun hatte: dem mittelalterlichen Langbogen.

In den 1970ern begann Hardy, sich für die Militärgeschichte Englands zu interessieren. Er lernte, einen englischen Langbogen zu bauen und zu schießen – ein Handwerk, das jahrelange Übung erfordert. Sein Wissen war so tief, dass er ein Buch darüber schrieb: Longbow: A Social and Military History (1976). Es gilt bis heute als Standardwerk. Hardy argumentierte darin, dass der Langbogen die entscheidende Waffe in der Schlacht von Agincourt (1415) war – eine These, die Historiker zwar diskutieren, aber die Hardys Enthusiasmus zeigt.

Diese Expertise floss auch in seine Schauspielerei ein. In der Fernsehserie The Lost Boys (1978) spielte er einen Bogenschützen – und bestand darauf, seine eigenen Pfeile zu schießen. Die Produzenten waren nervös, aber Hardy traf jedes Mal ins Schwarze. „Er war ein Perfektionist“, erinnerte sich ein Kollege später. „Wenn er einen Bogen hielt, wusste man: Der Mann hat Ahnung.“

Seine Methode war einfach: Er lebte die Rolle. Für All Creatures Great and Small verbrachte er Zeit mit echten Tierärzten in Yorkshire, um den Dialekt und die Arbeitsweise zu studieren. Das Ergebnis war eine Figur, die so authentisch wirkte, dass Zuschauer ihm auf der Straße Tierarztfragen stellten. Hardy lachte darüber, aber er nahm es als Kompliment.

Die finanziellen und rechtlichen Seiten einer langen Karriere

Robert Hardy war kein Hollywood-Star, der Millionen pro Film verdiente. Er war ein britischer Charakterdarsteller, der von der BBC und dem Theater lebte. Seine Gage für die Harry Potter-Filme wurde nie offiziell genannt, aber übliche Sätze für Nebendarsteller in den 2000ern lagen im unteren sechsstelligen Bereich pro Film – weit entfernt von den Summen, die Daniel Radcliffe oder Emma Watson erhielten. Hardy selbst scherzte einmal, er habe „genug für ein neues Dach“ bekommen.

Interessant ist ein rechtlicher Aspekt: Hardy war einer der Schauspieler, die sich in den 1980ern gegen die Privatisierung der BBC wehrten. Er unterschrieb Petitionen und sprach sich öffentlich für die Rundfunkgebühr aus. „Die BBC ist kein Unternehmen, sie ist eine Institution“, sagte er in einem Interview. Diese Haltung kostete ihn vielleicht Aufträge bei kommerziellen Sendern, aber sie festigte sein Image als Prinzipienreiter.

Sein Vermögen bei seinem Tod wurde auf etwa 2 Millionen Pfund geschätzt – eine Summe, die aus Jahrzehnten konstanter Arbeit stammt, nicht aus Blockbuster-Gagen. Hardy investierte klug: Er kaufte in den 1970ern ein Haus in London, das später im Wert stieg. Aber er war kein Geschäftsmann. „Ich habe nie verstanden, wie man mit Geld umgeht“, gestand er einmal. „Ich gebe es aus, und dann ist es weg.“

Ein kurioses Detail: Hardy verklagte nie jemanden wegen Verleumdung, obwohl die Boulevardpresse immer wieder über seine Ehen spekulierte. Er war dreimal verheiratet und hatte vier Kinder – aber er hielt sein Privatleben weitgehend aus den Schlagzeilen. Seine Ehen scheiterten, wie er selbst sagte, an „den üblichen Schauspielerproblemen: zu viel Arbeit, zu wenig Zeit zu Hause.“ Details zum Hintergrund werden in Robert Hardy – IMDb dokumentiert

Was bleibt: Hardys Vermächtnis und die Zukunft seiner Rollen

Robert Hardy starb 2017 im Alter von 91 Jahren in London. Sein Tod wurde von Kollegen und Fans weltweit betrauert. Aber was bleibt von einem Schauspieler, der in über 100 Produktionen mitwirkte? Zunächst einmal die Filme und Serien selbst. All Creatures Great and Small wurde 2020 von Channel 5 neu aufgelegt – mit einer neuen Besetzung, aber Hardys Geist schwebt über der Serie. Die alten Folgen laufen immer noch im britischen Fernsehen und auf Streamingdiensten.

Seine Rolle als Cornelius Fudge lebt in den Harry Potter-Filmen weiter, die eine neue Generation von Fans finden. Warner Bros. hat keine Pläne bekannt gegeben, die Figur neu zu besetzen – Hardys Darstellung gilt als endgültig. In Fan-Foren wird diskutiert, ob Fudge im geplanten Harry Potter-Remake (falls es kommt) anders sein sollte. Die meisten sagen: Nein, Hardy war perfekt.

Sein Buch über den Langbogen wird immer noch von Historikern und Reenactment-Gruppen gelesen. Hardy selbst hielt bis ins hohe Alter Vorträge über mittelalterliche Bogenschützen. Er war Ehrenmitglied der Society of Archer-Antiquaries – eine Auszeichnung, die er mehr schätzte als jeden Filmpreis.

Was die Zukunft bringt? Hardys Nachlass wird von seinen Kindern verwaltet. Es gibt Pläne für eine Biografie, aber kein Erscheinungsdatum. Seine Filme sind auf DVD und Blu-ray erhältlich, einige auch auf Streamingplattformen. Für Fans lohnt sich ein Blick auf seine weniger bekannten Arbeiten, etwa The Spy Who Came in from the Cold (1965) oder The Shooting Party (1985). Dort zeigt Hardy sein ganzes Können.

Rolle Produktion Jahr
Cornelius Fudge Harry Potter (Filme 1–5) 2001–2007
Siegfried Farnon All Creatures Great and Small 1978–1990
Winston Churchill The Wilderness Years u. a. 1981–1988
Bogenschütze The Lost Boys 1978

Häufig gestellte Fragen

Stimmt es, dass Robert Hardy im Zweiten Weltkrieg kämpfte?

Ja, er diente bei der Royal Air Force, aber er war kein Kampfpilot. Hardy war als Funker und Bordschütze ausgebildet, kam jedoch nicht mehr zum Einsatz, bevor der Krieg endete. Er sprach später respektvoll über seine Kameraden, aber ohne Pathos.

Welche Alternativen zu Robert Hardy gibt es für Fans ähnlicher Schauspieler?

Wenn Sie den Stil von Robert Hardy mögen – britisch, autoritär, aber mit einem Augenzwinkern –, dann schauen Sie sich Richard Briers an (auch in All Creatures), oder John Nettles aus Midsomer Murders. Beide teilen Hardys Fähigkeit, Ernstes leicht wirken zu lassen.

Wie kann ich die Filme und Serien mit Robert Hardy sehen?

Die Harry Potter-Filme sind auf allen gängigen Streamingdiensten verfügbar. All Creatures Great and Small läuft auf BritBox und Amazon Prime. Einige seiner älteren Filme wie The Spy Who Came in from the Cold gibt es auf DVD oder als Leihe in Bibliotheken.

Wo wurde Robert Hardy begraben?

Hardy wurde eingeäschert, und seine Asche wurde der Familie übergeben. Es gibt kein öffentliches Grab. Ein Gedenkgottesdienst fand in der St. Paul’s Church in London statt, an dem viele Kollegen teilnahmen.

Wie viele Filme hat Robert Hardy insgesamt gedreht?

Eine genaue Zahl ist schwer zu nennen, da er auch viele Fernsehauftritte hatte. Schätzungen gehen von über 100 Film- und Fernsehproduktionen aus. Seine IMDb-Seite listet etwa 120 Einträge, aber einige Kurzaufträge fehlen dort.

Wie Robert Hardy die britische Fernsehlandschaft prägte

Hardy war nicht nur ein Gesicht auf dem Bildschirm, sondern auch ein Verfechter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. In den 1980er Jahren, als die BBC unter Druck geriet, sprach er sich deutlich gegen Kommerzialisierung aus. Er argumentierte, dass Qualitätsfernsehen ohne Werbeunterbrechungen möglich sei – eine Haltung, die ihm Respekt, aber auch Kritik einbrachte. Seine Stimme in Debatten zeigte, dass Schauspieler mehr sein können als nur Entertainer.

Seine Arbeit in All Creatures Great and Small veränderte die Art, wie Tierärzte im Fernsehen dargestellt wurden. Vor Hardy waren Tierärzte oft Nebenfiguren. Seine Darstellung von Siegfried Farnon machte den Beruf zum Hauptthema und inspirierte eine Generation von Tierärzten. Viele berichteten später, dass sie wegen dieser Serie ihren Beruf gewählt hatten.

Die weniger bekannten Seiten von Robert Hardy

Neben der Schauspielerei hatte Hardy eine Leidenschaft für die Malerei. Er malte Landschaften und Porträts, stellte aber nie öffentlich aus. Seine Familie besitzt noch viele seiner Werke. Auch das Schreiben lag ihm: Neben dem Langbogen-Buch verfasste er Artikel für historische Zeitschriften und hielt Vorträge.

Hardy war zudem ein begeisterter Gärtner. In seinem Londoner Garten zog er Rosen und Kräuter, die er für seine Küche nutzte. Freunde beschrieben ihn als ruhigen, nachdenklichen Menschen, der die Einsamkeit schätzte. Diese Seite zeigte er selten in Interviews, aber sie prägte sein Wesen.


Kategorisiert als:

Schauspieler / Nachruf,

Letzte Änderung: Juli 20, 2026