„Rente mit Dividende“ ist ein Ansatz zur Altersvorsorge, bei dem Anleger ein Depot aus dividendenstarken Aktien oder ETFs aufbauen, um im Ruhestand von den Ausschüttungen zu leben. Der Begriff wurde vor allem durch den Blog rente-mit-dividende.de und dessen Betreiber Alexander Glaser bekannt, der seit etwa 2015 über seine Strategie berichtet. Ob das Konzept für jeden tragfähig ist, bleibt umstritten.
Was gesichert ist und wo die Quellenlage dünn wird
Gesichert ist, dass Alexander Glaser unter der Domain rente-mit-dividende.de einen Blog betreibt, der sich mit dem Aufbau eines passiven Einkommens durch Dividenden beschäftigt. Er selbst gibt an, seit 2015 ein entsprechendes Depot zu führen und dokumentiert seine Käufe und Erträge öffentlich. Die Domain wurde laut öffentlich einsehbaren WHOIS-Daten im März 2015 registriert, was zu dieser Zeitlinie passt. Passend dazu lohnt sich ein Blick in Prinz Philip: Was der Duke of Edinburgh für junge Menschen tat
Unklar bleibt hingegen, wie hoch Glasers privates Gesamtvermögen tatsächlich ist. Er nennt in seinem Blog regelmäßig Depotwerte, doch ob diese sein gesamtes liquides Vermögen abbilden oder ob weitere Anlagen existieren, ist nicht verifiziert. Auch die genaue berufliche Qualifikation Glasers ist nicht öffentlich dokumentiert. Er bezeichnet sich selbst als Privatanleger und teilt seine Erfahrungen, ohne eine formale Finanzausbildung nachzuweisen.
Ein weiterer strittiger Punkt betrifft die steuerliche Behandlung. In seinem Blog und in Foren wie dem „Rente mit Dividende Forum“ wird oft über die Quellensteuer diskutiert. Fakt ist: Ausländische Dividenden unterliegen häufig einer Quellensteuer, die je nach Doppelbesteuerungsabkommen teilweise anrechenbar ist. Welche konkreten Steuersätze für Glasers Depot gelten, bleibt jedoch spekulativ, da er seine Steuererklärung nicht offenlegt.
Die Behauptung, man könne „reich in Rente mit Dividende“ gehen, wird von Glasers eigenen Zahlen nur bedingt gestützt. Sein Depot erreichte nach eigenen Angaben im Jahr 2023 einen Wert im mittleren sechsstelligen Bereich, was für viele Anleger ein erhebliches Startkapital voraussetzt. Kritiker merken an, dass die oft zitierten monatlichen Ausschüttungen von einigen hundert Euro kaum für den Lebensunterhalt reichen, wenn nicht bereits ein hohes Vermögen vorhanden ist.
| Aspekt | Gesicherte Information | Unklar / Umstritten |
|---|---|---|
| Blog-Start | Domain registriert im März 2015 | Erste Inhalte möglicherweise früher auf anderen Plattformen |
| Depotwert | Mittlerer sechsstelliger Bereich (2023) | Gesamtvermögen inkl. Immobilien oder anderer Anlagen unbekannt |
| Qualifikation | Selbstbezeichnung als Privatanleger | Keine formale Finanzausbildung öffentlich nachgewiesen |
| Steuerdaten | Allgemeine Infos zur Quellensteuer im Blog | Individuelle Steuerlast nicht offengelegt |
Wie ein amerikanisches Modell die deutsche Debatte prägte
Die Idee, von Dividenden zu leben, ist nicht neu. In den USA wurde sie durch Strategien wie den „Dividend Growth Investing“-Ansatz populär, der auf Unternehmen mit stetig steigenden Ausschüttungen setzt. Bekannte Vertreter wie Benjamin Graham erwähnten bereits in den 1940er Jahren die Bedeutung von Dividenden für langfristige Anleger. In Deutschland griffen Finanzblogger wie der „Finanzrocker“ diese Konzepte auf und passten sie an hiesige Gegebenheiten an.
Alexander Glasers Blog steht in dieser Tradition, fokussiert aber stärker auf monatliche Zahlungen. Er prägte den Begriff „Monatszahler“ für Aktien oder REITs, die in jedem Monat ausschütten. Diese Fokussierung auf monatliche Einkünfte spiegelt ein kulturelles Bedürfnis nach Planbarkeit wider, das in der deutschen Altersvorsorge tief verwurzelt ist. Die gesetzliche Rente wird schließlich auch monatlich ausgezahlt.
Historisch betrachtet waren Dividenden in Deutschland lange Zeit weniger bedeutend als in angelsächsischen Ländern. Deutsche Unternehmen thesaurierten Gewinne häufiger, während US-Firmen stärker auf Ausschüttungen setzten. Erst mit der Niedrigzinsphase nach 2008 entdeckten viele Anleger Dividenden als Alternative zu festverzinslichen Anlagen. Glasers Blog traf damit einen Nerv, denn er bot eine scheinbar einfache Lösung für das Problem sinkender Zinserträge.
Die kulturelle Prägung zeigt sich auch in der Sprache: „Rente mit Dividende“ klingt nach Sicherheit und Verlässlichkeit. Der Begriff verbindet das deutsche Wort „Rente“ mit dem englischen „Dividende“ und suggeriert eine Brücke zwischen traditioneller Vorsorge und modernem Kapitalmarkt. Kritisch betrachtet verschleiert diese Wortwahl jedoch die Risiken, die mit Aktienanlagen verbunden sind. Ein Kursrutsch kann die monatlichen Einkünfte ebenso gefährden wie eine Dividendenkürzung. Details zum Hintergrund werden in Rente mit Dividende: Rentenlücke schließen | VZ VermögensZentrum dokumentiert
Die Anfänge eines Blogs und was sich daraus entwickelte
Der Blog rente-mit-dividende.de startete im Jahr 2015 als privates Projekt. Alexander Glaser, der sich selbst als Angestellter im öffentlichen Dienst bezeichnet, wollte ursprünglich nur seine eigene Anlagestrategie dokumentieren. Die ersten Beiträge behandelten Einzelaktien wie AT&T oder Realty Income, die für ihre regelmäßigen Ausschüttungen bekannt sind. Schnell entwickelte sich eine Leserschaft, die nach Orientierung in der Niedrigzinswelt suchte.
Im Laufe der Jahre professionalisierte Glaser den Auftritt. Er führte ein Musterdepot ein, das als „Rente mit Dividende Depot“ bekannt wurde, und veröffentlichte regelmäßig Updates zu Käufen und Verkäufen. Zudem entstand ein Download-Bereich unter https downloads, in dem Excel-Tabellen zur Depotverwaltung angeboten werden. Diese Tools sollen Anlegern helfen, ihre eigene Dividendenstrategie umzusetzen.
Ein wichtiger Meilenstein war die Gründung eines Forums, des „Rente mit Dividende Forum“, in dem sich Gleichgesinnte austauschen. Hier diskutieren Nutzer über Aktien wie Cardinal Health, Cisco oder Illinois Tool Works, die im Blog häufig als Beispiele für stabile Zahler genannt werden. Auch REITs wie Realty Income oder Ashford Hospitality Trust finden dort Beachtung. Die Community wuchs stetig, genaue Mitgliederzahlen sind jedoch nicht öffentlich.
Glasers Ansatz blieb nicht ohne Kritik. Einige Beobachter bemängeln, dass die Fokussierung auf Einzelaktien wie DowDuPont oder General Mills ein Klumpenrisiko birgt. Andere verweisen auf die Gefahr von Dividendenkürzungen, wie sie bei AT&T im Jahr 2022 tatsächlich eintraten. Der Blog thematisiert solche Risiken zwar, betont aber stets die langfristige Perspektive. Ob diese für jeden Anleger realistisch ist, hängt stark von der individuellen Risikotoleranz ab.
Die Frage, ob man „früh in Rente mit Dividende“ gehen kann, beantwortet Glaser selbst zurückhaltend. Er betont, dass ein ausreichend großes Depot nötig sei und nennt als grobe Faustregel das 25-fache der jährlichen Ausgaben. Diese Zahl stammt aus der sogenannten 4-Prozent-Regel, die auf historischen US-Marktdaten basiert. Für den deutschen Markt ist ihre Gültigkeit jedoch nicht zweifelsfrei belegt.
Wie das Depot im Alltag funktioniert und wo Fallstricke lauern
Der praktische Kern der Strategie ist ein Depot aus dividendenstarken Aktien und ETFs. Glaser selbst setzt auf eine Mischung aus Einzelwerten und Fonds, wobei er regelmäßig über seine Käufe berichtet. Ein typisches „Rente mit Dividende Depot“ enthält Titel aus verschiedenen Branchen, um die Abhängigkeit von einzelnen Sektoren zu verringern. Im Blog werden Branchen wie Konsumgüter, Gesundheit und Technologie als besonders geeignet hervorgehoben.
Ein wiederkehrendes Thema ist die Auswahl sogenannter „Monatszahler“. Dabei handelt es sich um Aktien oder REITs, die in jedem Monat des Jahres eine Ausschüttung vornehmen. Bekannte Beispiele sind Realty Income oder bestimmte Anleihen-ETFs. Der Vorteil liegt in der gleichmäßigen Einkommensverteilung, die der monatlichen Rentenzahlung ähnelt. Allerdings sind solche Titel oft hoch bewertet und reagieren empfindlich auf Zinsänderungen.
Die steuerliche Behandlung ist ein komplexes Feld. Ausländische Dividenden unterliegen der Quellensteuer, die je nach Herkunftsland unterschiedlich hoch ist. Für US-Aktien beträgt sie beispielsweise 30 Prozent, kann aber durch ein entsprechendes Formular auf 15 Prozent reduziert werden. Glaser thematisiert dies in seinem Blog und verweist auf die nötigen Schritte, ohne jedoch eine individuelle Steuerberatung zu ersetzen. Die genaue Abwicklung bleibt für viele Anleger eine Hürde.
Ein weiterer Aspekt ist die Frage der Rentenminderung. Wer vor dem regulären Rentenalter Einkünfte aus Dividenden bezieht, muss prüfen, ob diese auf die gesetzliche Rente angerechnet werden. Bei der „Rente mit 63“ können Hinzuverdienstgrenzen gelten, die durch Dividendeneinkünfte überschritten werden. Glaser selbst ist noch nicht im Rentenalter, sodass praktische Erfahrungen dazu in seinem Blog fehlen. Die Diskussion darüber findet eher in Foren statt.
Die schwächste Stelle der Strategie ist die Annahme konstanter Dividenden. Unternehmen können Ausschüttungen kürzen oder streichen, wie das Beispiel Facebook (Meta) zeigt, das 2024 erstmals eine Dividende einführte, aber keine Garantie für die Zukunft gibt. Auch etablierte Zahler wie General Mills oder Illinois Tool Works sind nicht vor wirtschaftlichen Einbrüchen gefeit. Ein breit gestreuter ETF wie ein „Dividenden ETF“ kann dieses Risiko mindern, bietet aber oft geringere Ausschüttungsrenditen.
Für Anleger, die den Ansatz verfolgen wollen, bietet der Blog eine Reihe von Hilfsmitteln. Neben den erwähnten Excel-Tabellen gibt es eine „Aktienfinder“-Funktion, die bei der Auswahl geeigneter Titel helfen soll. Diese basiert auf fundamentalen Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis oder der Dividendenhistorie. Ob solche Filter langfristig erfolgreich sind, lässt sich mangels belastbarer Langzeitstudien nicht abschließend beurteilen.
Häufig gestellte Fragen
Wie kann ich ein eigenes „Rente mit Dividende“-Depot aufbauen?
Sie beginnen mit der Auswahl eines günstigen Online-Brokers und legen ein Depot an. Anschließend definieren Sie Ihre Anlagestrategie, etwa die Fokussierung auf Monatszahler oder Dividenden-ETFs. Der Blog empfiehlt, schrittweise Positionen aufzubauen und regelmäßig zu überprüfen. Wichtig ist, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern breit zu streuen. Ein Startkapital von mindestens einigen tausend Euro ist sinnvoll, um die Gebühren niedrig zu halten.
Wer ist Alexander Glaser und welche Rolle spielt er bei „Rente mit Dividende“?
Alexander Glaser ist der Betreiber des Blogs rente-mit-dividende.de. Er bezeichnet sich als Privatanleger und Angestellter im öffentlichen Dienst. Seit 2015 dokumentiert er dort seinen Vermögensaufbau mit Dividendenaktien. Er ist kein zertifizierter Finanzberater, sondern teilt lediglich seine persönlichen Erfahrungen. Seine genaue berufliche Qualifikation ist nicht öffentlich bekannt, was bei der Bewertung seiner Ratschläge berücksichtigt werden sollte.
Stimmt es, dass man mit dieser Strategie wirklich früher in Rente gehen kann?
Das ist umstritten. Der Blog nennt als grobe Orientierung das 25-fache der jährlichen Ausgaben als notwendiges Depotvolumen. Für die meisten Menschen bedeutet das ein Vermögen von mehreren hunderttausend Euro. Ob dieses Ziel realistisch ist, hängt vom Einkommen, der Sparquote und der Anlagedauer ab. Zudem birgt die Strategie das Risiko von Kursverlusten und Dividendenkürzungen, die den Plan durchkreuzen können. Eine Garantie gibt es nicht.
Ist es legal, ausländische Dividenden zu beziehen, ohne die Quellensteuer korrekt zu deklarieren?
Nein, das ist nicht legal. Ausländische Dividenden müssen in der deutschen Steuererklärung angegeben werden. Die im Ausland einbehaltene Quellensteuer kann unter bestimmten Voraussetzungen auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet werden. Wer dies versäumt, riskiert eine Steuernachzahlung und mögliche Strafen. Der Blog weist auf diese Pflicht hin, ersetzt aber keine professionelle Steuerberatung.
Wie viele verschiedene Aktien sollte man mindestens im Depot haben?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Der Blog selbst enthält oft zwischen 20 und 30 Einzelpositionen, um das Risiko zu streuen. Finanztheoretisch gilt eine breitere Streuung als sicherer, etwa durch einen ETF mit hunderten Titeln. Letztlich hängt die optimale Anzahl von der individuellen Risikobereitschaft und dem verfügbaren Kapital ab. Zu wenige Aktien erhöhen das Klumpenrisiko, zu viele machen die Verwaltung aufwendig.